Texte zur friesischen Freiheit - Übersicht


Die Tradition von der „friesischen Freiheit“ gehört zu den wesentlichen Elementen friesischer Identität. Insbesondere in der Zeit des Erwachens eines friesischen Volksbewusstseins im 19. Jahrhundert bezogen sich Autoren auf diese in der Folge teils überhöhte Überlieferung.

Einen Überblick zum Thema bieten jeweils Thomas Steensen: Die freien Friesen sowie Fiete Pingel: Friesische Freiheit in Nordfriesland.

Die friesische Freiheit ist zu sehen im Zusammenhang mit der Herrschaftsorganisation, wie sie sich in Europa, im dänischen Einflussbereich, im Herzogtum Schleswig seit dem Mittelalter entwickelte. Die zentrale Figur in dieser Organisation ist der „Hausvater“, im ländlichen Bereich der Landbesitzer. Die Landbesitzer, im Kirchspiel die Bauern, sind zuständig für die Regelung der jeweiligen Angelegenheiten. Die Landesherrschaft gibt dafür den rechtlichen Rahmen auf dessen Einhaltung sie hinwirkt. Vgl. dazu Hoff: Mittelalterliche Landrechte und Landschaftsentwicklung, Prange: Der schleswigsche Bauer als Urteiler, Rheinheimer: Mildstedter Beliebung und Kühn: Feldgemeinschaft auf Hooge.

Zu den geschichtlichen Verhältnissen in Nordfriesland vgl. Panten: Häuptlings- und Adelsgeschlechter, Nickelsen: Das alte Nordfriesland und Nickelsen: Die Nordfriesen im Mittelalter.

Die spezielle „friesische Freiheit“ stammt aus den Siedlungsgebieten an der südlichen Nordseeküste, wo sich im Mittelalter eine wirkliche auch herrschaftliche Autonomie zumindest in Teilen zu behaupten vermochte, vgl. Lengen: Recht und Verfassung der Friesen in Ostfriesland. Man untermauerte, wie seinerzeit nicht unüblich, die Rechtsansprüche mit der Fälschung eines von Karl dem Großen erteilten Privilegs, das auch in Nordfriesland bekannt war und Auswirkungen zeigte bis hin zur Tötung eines dänischen Königs, der in Eiderstedt bestimmte Steuerzahlungen durchsetzen wollte vgl. Panten: Das Privileg Karls des Großen und Panten: König Abels Tod.

Die besondere Stellung der Nordfriesen und ihre Freiheiten beruhten allerdings nicht auf politischer Autonomie, sondern vielmehr auf der Funktion als Küstenbewohner. Genossenschaftlich verwalteten die Landbesitzer die Deiche und die Wasserlösung. Die hohe Fruchtbarkeit der Marsch führte dazu, dass sich die Landbesitzer eines gewissen Wohlstands erfreuten. Die besondere Verantwortung für den Küstenschutz und die wirtschaftliche Kraft ließen sich in eine gewisse rechtliche Sonderstellung ummünzen vgl. Panten: Die nordfriesischen Landrechte von 1426, Pappenheim: Die Siebenhardenbeliebung, Pauls: Die staatsrechtliche Stellung und Verfassung Nordfrieslands im Mittelalter und Carstens: Harde als Gerichtsbezirk.

Umfassend ist die Entwicklung der Selbstverwaltung für die Landschaft Eiderstedt im Süden des Kreises Nordfriesland dokumentiert und erforscht. Anhand dieser Überlieferung arbeitete der Landeshistoriker Manfred Jessen-Klingenberg heraus, dass Landesherrschaft und die Kräfte der Selbstverwaltung keine Gegner waren, sondern im Grunde partnerschaftlich zusammenwirkten vgl. Jessen-Klingenberg: Autorität und Autonomie. Zu Eiderstedt vgl. weiterhin Kuschert: Selbstverwaltung und Landesherrschaft in Eiderstedt, Pauls: Landesherrschaft und Selbstverwaltung in Eiderstedt und Jessen-Klingenberg: Eiderstedt 17131864.

Die Insel Föhr durchlief eine Entwicklung ganz eigener Art. Auch hier wirkten Obrigkeit und Selbstverwaltung in einem komplexen Miteinander zusammen. Vgl. zu Föhr Faltings: Dingprotokolle der Föhrer Westerharde, Faltings: Ende der alten Hardesverfassung, Faltings: Gangfersmann, Roeloffs: Föhr vor 200 Jahren.

Mit dem Übergang an Preußen veränderte sich die rechtliche Grundlage der Selbstverwaltung in Nordfriesland. Vgl. Schlaber: Von der Vielfalt zur Einheit, Petersen: Überleitung in die preußische Gerichtsorganisation, Pauls: Die preußische Regierung und die Eiderstedter Privilegien.

Im 19. Jahrhundert wurde sodann die Geschichte der Friesen teils in ein Idealbild umgewandelt im Bestreben, eine „große Vergangenheit“ zu beschreiben. Die Mythenbildung setzte sich bis ins 20. Jahrhundert fort. Michelsen: Nordfriesland im Mittelalter, Muuß: Nordfriesische Stammesart, W. L. Andresen: Die friesische Selbstverwaltung.

Zum Thema Mythenbildung vgl. Jakubowski-Tiessen: Mentalität und Landschaft, Bülck: Lever duad üs Slaav, Petersen: Der Mythos der Einheit und Freiheit, Pingel/Steensen: „Auf freiem Grund mit freiem Volke stehen“ Geschichtsmythen.